Bei der vaginalen Geburt kommen Babies mit den Bakterien der Mikrobiota der Mutter in Kontakt. Diese besiedeln den Darm und die Vagina der Neugeborenen. Damit wird das Immunsystem geprägt und der Entstehung von Asthma, Allergien und Atopien vorgebeugt.2
Die Vaginalflora im Überblick
Als Vaginalflora wird die physiologische mikrobakterielle Besiedelung der Vagina bezeichnet. Da sich der Östrogenspiegel von der Pubertät bis zur Menopause verändert, verändert sich auch die Bakteriengemeinschaft in der Vagina. Bei der gesunden, prämenopausalen Frau können sogar 30 verschiedene Lactobazillus-Arten im vaginalen Mikrobiom, nachgewiesen werden.1
Illustration der Besiedelung des Vaginalbioms im Zusammenhang mit dem weiblichen Östrogenspiegel
Während der Kindheit wird die Vagina von aeorben (benötigen Sauerstoff), strikt anaeroben (können Sauerstoff nicht tolerieren) und Darmbakterien besiedelt und hat einen neutralen pH-Wert. Mit Beginn der Geschlechtsreife steigt die Östrogenproduktion. Dies führt zu einer Verdickung der Schleimhaut und zur Ansammlung von Glykogen. Durch diese neuen Umweltbedingungen wird das Wachstum von Glykogen-fermentierenden Lactobazillen gefördert, wodurch der pH-Wert der Vagina auf 3,8 bis 4,4 absinkt. Diese sauren Bedingungen bleiben während der gesamten gebärfähigen Lebensphase einer Frau bestehen.3
Nach der Menopause sinkt der Östrogenspiegel und die ausbleibende Menstruation führt zu einer Schrumpfung (Atrophie) der Vaginalschleimhaut. Bei den meisten Frauen verändert sich dadurch die vaginale Mikrobiota: Laktat-produzierende Lactobazillen nehmen aufgrund des sinkenden Glykogenangebots ab und anaerobe Bakterien nehmen zu. Der pH-Wert steigt typischerweise auf einen fast neutralen Wert von 6,5 bis 7. Dieses Milieu ähnelt jenem in der Kindheit und dem bei einer bakterieller Vaginose – also einer Störung der natürlichen Scheidenflora.
Störung der Vaginalflora
Insbesondere Lactobazillen tragen zur Gesunderhaltung des Vaginalbioms bei. Sollte die Bakterienflora im Ungleichgewicht sein, können Symptome auftreten wie:
- Veränderter Ausfluss (Farbe, Konsistenz und Geruch)
- Juckreiz in und um die Vagina
- Brennen im Intimbereich und auch beim Wasserlassen
- Schmerzen, auch beim Geschlechtsverkehr
Diese können die Gesundheit und das Wohlbefinden maßgeblich negativ beeinflussen.4
Bakterielle Vaginose
Wenn das empfindliche Gleichgewicht der Scheidenflora, zum Beispiel durch die Einnahme von Antibiotika, gestört wird, kann eine bakterielle Vaginose entstehen. Dabei vermehren sich Bakterien, die ohne Sauerstoff leben können (Anaerobier) stärker, während die Anzahl der schützenden Milchsäurebakterien abnimmt. Ein besonders unangenehmes Bakterium, das dabei überhandnehmen kann, ist Gardnerella vaginalis. Dieses Bakterium kann einen hartnäckigen Biofilm bilden und zusammen mit den anaeroben Bakterien zu einem pathologischen Ausfluss führen, der manchmal einen unangenehmen fischigen Geruch hat.12
Bestätigt:
Circa 30% aller Frauen erkranken mindestens einmal an einer bakteriellen Vaginose. Trotz leitliniengerechter Behandlung erleiden 50% der Frauen, innerhalb von 12 Monaten, einen Rückfall. Insbesondere Schwangere haben ein erhöhtes Risiko an einer bakteriellen Vaginose zu erkranken.13, 14
Risikofaktoren für eine Störung der Vaginalflora
Ähnlich wie die Darmflora, beeinflussen verschiedene Faktoren des täglichen Lebens die Zusammensetzung der vaginalen Mikrobiota. Zu den Faktoren, die auf unseren den Körper einwirken und zu einer Störung der natürlichen Scheidenflora beitragen, gehören unter anderem:
Medikamenteneinnahme
Einige Präparate (wie z.B. Antibiotika) können das Vaginalbiom negativ beeinflussen.5
Intimhygiene
Die persönliche Intimhygiene beeinflusst die Zusammensetzung der vaginalen Mikrobiota. Dies umfasst unter anderem die Art der Unterwäsche, den Menstruationsschutz oder auch die Verwendung von Vaginalduschen, die mit vaginalen Dysbiosen verbunden werden.6
Sexualität
Häufig wechselnde Sexualpartner sowie ungeschützter Geschlechtsverkehr sind ebenfalls bekannte Risikofaktoren für die Entstehung bakterieller Vaginosen.7
Stress
Frauen empfinden nachweislich mehr Stress als Männer. Der Vaginaltrakt kann vor allem durch psychischen Stress negativ beeinflusst werden.8
Ernährung
Zu viele gesättigte Fettsäuren und Transfettsäuren – welche vor allem in industriell verarbeiteten Lebensmitteln und in rotem Fleisch vorkommen – können zu einem höheren Risiko führen.9
Nikotin
Nikotin beeinflusst die Östrogenproduktion und verändert dadurch das Profil der vaginalen Metabolitenproduktion. Damit wir das Risiko für vaginale Dysbiose und bakterieller Vaginose erhöht.10
Alkohol
In ähnlicher Weise wie Nikotin, wird Alkoholkonsum mit einer Zunahme von bakteriellen Vaginosen in Verbindung gebracht.11